SS-31 im Labor: Aufbau, Kenndaten und die zwei Analysenberichte
SwissPeps-Forschungsteam · Aktualisiert 16. Oktober 2026 · ~3 Min. Lesezeit
Elamipretid, im Katalog unter dem Kürzel SS-31 geführt, besteht aus nur vier Bausteinen. Bemerkenswert ist weniger die Länge als die Auswahl: ein gespiegeltes Arginin, ein Tyrosin-Abkömmling, der in keinem Protein vorkommt, und ein abwechselndes Muster aus Ladung und Ring. Dieser Beitrag ordnet die belegbaren Daten für die In-vitro-Forschung.
Vier Bausteine im Wechsel
Als Abfolge notiert ergibt sich D-Arg-Dmt-Lys-Phe-NH₂ (zur Schreibweise siehe Sequenz). Die Positionen eins und drei, Arginin und Lysin, sind basisch und bei neutralem pH positiv geladen. Die Positionen zwei und vier, Dmt und Phenylalanin, bringen je einen aromatischen Ring mit. Ladung, Ring, Ladung, Ring: Auf diesem alternierenden Schema beruht die ganze Gruppe der Szeto-Schiller-Peptide, von der das Kürzel SS stammt.
Für die Identität zählen drei Kennwerte: die Summenformel C₃₂H₄₉N₉O₅, ein Molekulargewicht von 639,79 g/mol und die CAS-Nummer 736992-21-5. Auf der Produktseite von SS-31 sind sie zusammen mit beiden Namen der Substanz aufgeführt.
Was an diesem Tetrapeptid ungewöhnlich ist
Nur ein einziges Glied liegt in gespiegelter Form vor, nämlich das Arginin am Anfang; das vorangestellte D kennzeichnet diese Konfiguration. In natürlich gebildeten Proteinen stehen praktisch ausschliesslich L-Aminosäuren, ein D-Arginin ist dort also nicht zu erwarten.
Dmt, ausgeschrieben 2′,6′-Dimethyltyrosin, ist dagegen kein gespiegelter Baustein, sondern ein nicht proteinogener: ein Tyrosin mit zwei zusätzlichen Methylgruppen am Ring, das der genetische Code nicht vorsieht. In der Festphasensynthese wird es als fertiger Baustein eingekoppelt. Das NH₂ am rechten Ende steht für ein C-terminales Amid; die Carboxylgruppe ist dort nicht frei, und dieses Amid ist Bestandteil der angegebenen Formel.
Warum solche Bausteine? Abbauende Enzyme erkennen bevorzugt die übliche L-Form. Eine D-Aminosäure an der Spitze passt schlechter in deren Bindetasche, weshalb Modifikationen dieser Art in der Peptidchemie häufig zur Stabilisierung gegen Proteolyse dienen. Ein weiteres Beispiel im Sortiment ist Ipamorelin, das gleich zwei D-Bausteine enthält.
Ein Hinweis für die Analytik
Spiegelbildliche Varianten haben exakt dieselbe Masse. Eine Massenspektrometrie bestätigt deshalb die Summenformel, kann aber D-Arg nicht von L-Arg unterscheiden. Ob die richtige Konfiguration vorliegt, lässt sich nur über die im Bericht dokumentierte Sequenz samt Stereo-Angabe und über die CAS-Nummer zuordnen, die für genau diese Form vergeben ist.
Forschungskontext: Mitochondrien
Laborarbeiten zu SS-31 kreisen um die Bindung an Cardiolipin, ein Phospholipid der inneren Mitochondrienmembran, um bioenergetische Messgrössen und um Modelle oxidativen Stresses. Damit steht es thematisch neben MOTS-c, unterscheidet sich aber grundsätzlich: MOTS-c ist ein Peptid, das im mitochondrialen Genom kodiert ist, SS-31 dagegen vollständig synthetisch und gelangt erst durch seine Eigenschaften in dieses Kompartiment.
Verwandte Substanzen fasst der Beitrag zu Longevity-Peptiden zusammen. Aussagen über Wirkungen in Organismen macht dieser Text nicht; sie gehören in die Fachliteratur. Geliefert wird ausschliesslich für die In-vitro-Forschung.
Die Zertifikatslage
Im Zertifikatsregister sind für SS-31 zwei Analysenberichte hinterlegt. Beide wurden an 50-mg-Chargen erstellt, während das Sortiment ein 10-mg-Vial führt. Die geprüfte Menge war also fünfmal so gross wie die verkaufte Abfüllung, und dieser Unterschied ist auf der Produktseite vermerkt, statt ihn zu verschweigen.
Ein Bericht beschreibt genau die Charge, an der gemessen wurde. Einer der beiden weist eine Reinheit von über 99,8 Prozent aus, der zweite enthält keinen Zahlenwert. SwissPeps nennt keine pauschale Mindestreinheit; massgeblich ist jeweils der Wert auf dem Zertifikat der betreffenden Charge. Wie man einen Bericht und den Anbieter dahinter prüft, beschreibt der Leitfaden Anbieter prüfen.
Lieferform und Rekonstitution
SS-31 kommt als gefriergetrocknetes Pulver (siehe Lyophilisation). Für die Laborlösung wird üblicherweise bakteriostatisches Wasser verwendet. Welche Konzentration sich aus 10 mg und dem gewählten Volumen ergibt, zeigt der Rekonstitutionsrechner; den Ablauf im Detail erklärt der Rekonstitutions-Leitfaden.
Das Wichtigste in Kürze
- Tetrapeptid D-Arg-Dmt-Lys-Phe-NH₂, Synonym Elamipretid
- C₃₂H₄₉N₉O₅, 639,79 g/mol, CAS 736992-21-5
- genau ein D-Baustein (Arginin), dazu Dmt als nicht proteinogener, nicht gespiegelter Baustein
- zwei Analysenberichte, beide aus 50-mg-Chargen, verkauft wird das 10-mg-Vial
Häufige Fragen
Wie viele Bausteine von SS-31 sind gespiegelt?
Nur einer: Das Arginin an Position eins liegt als D-Form vor. Dmt ist zwar ungewöhnlich, aber nicht gespiegelt, sondern ein Tyrosin-Abkömmling, der in Proteinen nicht vorkommt.
Sind SS-31 und Elamipretid verschiedene Substanzen?
Nein, beide Bezeichnungen meinen dasselbe Molekül mit der CAS-Nummer 736992-21-5.
Kann eine Massenmessung die D-Form bestätigen?
Nein. D- und L-Arginin wiegen gleich viel. Die Zuordnung erfolgt deshalb über die dokumentierte Sequenz und die CAS-Nummer.
Weshalb passen die Berichte nicht zur Vialgrösse?
Beide Berichte wurden an 50-mg-Chargen erstellt und gelten für diese. SwissPeps führt 10 mg, und die Abweichung steht offen auf der Produktseite.
Nur für Forschungszwecke. Dieser Inhalt ist informativ. Die erwähnten Produkte werden ausschliesslich für die In-vitro-Labor- und wissenschaftliche Forschung geliefert, nicht für den menschlichen oder tierärztlichen Gebrauch. Für eine Bestellung müssen Sie mindestens 18 Jahre alt sein.
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